Johannes Lamparter (AUT)
GEPA/Patrick Steiner
Nordische Kombination

Experiment läutet Weltcup-Saison ein

Die Weltcup-Saison in der Nordischen Kombination beginnt mit einer Premiere. Am Freitag (11.00 Uhr/ab 11.40 Uhr live in ORF1 bzw. 15.00 Uhr/ab 15.10 Uhr live in ORF1) geht es in Ruka für die Männer mit einem „Individual Compact“-Bewerb los, in dem statt den Punkten die Platzierungen im Springen die Rückstände für den Langlauf über 7,5 km bestimmen. Einmal wurde das Format im Sommer-GP schon getestet, nicht zur Überzeugung aller. Für Johannes Lamparter ist der Ablauf zwar „cool“, der Titelverteidiger sieht aber Schwachstellen.

„Das mit der fixen Abstandstabelle finde ich interessant. Ein cooles Format“, meinte der Tiroler vor dem ersten Saisontriple, bekrittelte aber die Gleichreihung in hinteren Regionen der Ergebnislisten. „Man kann einen 60- und 80-m-Sprung nicht gleichstellen. Die fixen Zeitabstände gehören weiter zurück.“

Jens Luraas Oftebro, Zweiter der vergangenen Weltcup-Saison, sieht es ähnlich. „Es wäre anders fairer, aber es ist jetzt kompakter. Es wird interessant“, sagte der Norweger angesichts dessen, dass die Rückstände immer kleiner werden und maximal 1:30 Minuten betragen.

Premiere bei Nordischer Kombination in Ruka

Im finnischen Ruka kommt es beim Auftakt in der nordischen Kombination der Herren zu einer Premiere: Erstmals fällt eine Weltcup-Entscheidung im neuen Kompakt-Bewerb. Im Kompakt-Format steht nicht die Punkteanzahl, sondern die Sprungplatzierung im Fokus und hat fix festgelegte Zeitabstände für den Langlauf zur Folge.

Besonders bei den Kombinierern tut man alles, um den Sport zu modernisieren und auch im Hinblick auf einen Verbleib im Olympiaprogramm attraktiver zu machen. Einerseits durch den neu eingeführten Kompakt-Bewerb, andererseits auch durch eine neue Punktevergabe: Statt den Top 30 bekommen nun die Top 40 Weltcup-Zähler, und die Aufteilung unter den Top Drei liegt nun enger beisammen (Sieg 100, Zweiter 90, Dritter 60 Punkte). „Das Wochenende bietet sehr viel Programm mit vielen verschiedenen Formaten, das wird sicher ein cooler Saisonstart“, meinte Lamparter.

Sich selbst sieht der beste Langläufer des vergangenen Winters beim „Compact“-Format noch mehr in der Loipe gefordert. „Es wird bis zur Ziellinie enger und aufregender, also muss ich auf Toplevel sein. Das Springen ist nicht mehr so bedeutend“, sagte Oftebro. Konkret nimmt der auf der Schanze Zweitplatzierte sechs Sekunden Rückstand auf den Besten mit, der Dritte zwölf usw. – unabhängig vom Punkterückstand. Da glaubt auch Lamparter, „dass da einiges passieren kann. Aber ich würde trotzdem sagen: Der beste Kombinierer ist wieder vorne.“

Geringere Zeitabstände sorgen für Spannung

Sogar FIS-Renndirektor Lasse Ottesen räumte ein, dass das Kompakt-Format vielleicht nicht fair sei. Es gebe aber auch die Massenstart-Bewerbe mit Gewicht auf Skispringen und die Rennen nach der Gundersen-Methode mit gleicher Gewichtung. „Da hat man viele verschiedene Chancen, vorne dabei zu sein. Nun gibt es einen Wettkampf, der lauflastiger ist, einen normalen, und einen, bei dem die Springer einen Vorteil haben.“ Lamparter wünscht sich, dass es einen solchen Mix an mehreren Weltcup-Wochenenden gibt.

Jarl Magnus Riiber (NOR)
GEPA/Patrick Steiner
Das „Compact“-Format spielt guten Springern wie Riiber zwar nicht in die Karten, der Norweger ist aber dennoch Favorit

Dem auch guten Langläufer, aber vor allem überragenden Skispringer Jarl Magnus Riiber kommt der „Compact“-Bewerb nicht entgegen, Lamparter sieht den Norweger aber dennoch als erneuten Favoriten auf den Gewinn des Gesamtweltcups. Dass der 22-Jährige aus Rum Riibers Kugelserie unterbrochen hat, liegt auch an einer gesundheitsbedingten Pause des Rivalen vor den Weltmeisterschaften in Planica, bei denen der im heurigen Herbst erneut mehr als einen Monat verkühlt gewesene Riiber einmal mehr überragte.

Im ÖSV-Team „ist Zug drinnen“

Lamparter aber relativiert diese Überlegenheit. „Es ist eine Kunst, dass man gesund bleibt. Das hat er nicht geschafft. Wenn ich ein paar Bewerbe ausgelassen hätte, hätte ich am Schluss auch mehr Kraft gehabt.“ Eines jedoch muss der Doppelweltmeister von Oberstdorf 2021 zugeben: „Wenn er gut in Form ist, ist Jarl der beste Kombinierer. Aber es sind einige andere Athleten, die genauso mitmischen können.“ Lamparter nennt da die restlichen Norweger, Japaner und Deutschen.

Nicht zuletzt schätzt der Sieger von zehn Weltcup-Bewerben auch einige seiner Landsleute stark ein, wobei der routinierte Mario Seidl einmal im Continental-Cup beginnt. „Die vielen jungen Leute haben einen Ehrgeiz, es ist ein Zug drinnen. Die wollen marschieren und etwas erreichen“, konkretisierte Lamparter. „Sie sehen, was bei mir letzte Saison funktioniert hat. Da gilt es für mich natürlich, auch etwas aufzupassen, weil die irgendwie auch Konkurrenten sind. Aber natürlich pusht es auch.“

Konkurrenzkampf soll Leistung heben

ÖSV-Coach Christoph Bieler verdeutlichte, dass dieser Druck von unten durchaus gewollt sei. „Es war eine gute Entscheidung. Ich bin mir sicher, dass Johannes wieder mit den Besten mithalten kann. Wir haben jetzt mehr Athleten, die auf Topergebnisse gehen können. Stefan (Rettenegger, Anm.) kann den nächsten Schritt gehen, auf das Podest kommen.“ Auch Franz-Josef Rehrl habe einen guten Job gemacht. Speziell lobte Bieler den Junioren-WM-Bronzenen Paul Walcher: „Er hat mich am meisten beeindruckt.“

Sie alle müssen sich diese Saison mit dem neuen Fluorwachsverbot auseinandersetzen, an vorderster Front Ottesen. „Es ist sehr delikat, eine technische und schwierige Aufgabe“, meinte der Norweger. Diesbezüglich stehe in Ruka ein hektisches Wochenende bevor, auch in der nächsten Woche mit dem Frauen-Auftakt. „Danach wird die Aufregung ein wenig abflauen. Wir sind zuversichtlich, dass es gut laufen wird. Aber es ist naiv zu denken, dass wir keine roten Ergebnisse haben werden.“