Europa League

LASK erleidet Abfuhr in Anfield

Der LASK hat am Donnerstag in der Europa League eine erwartbare Niederlage bezogen. Die Oberösterreicher mussten sich an der legendären Anfield Road dem großen Liverpool FC mit 0:4 (0:2) geschlagen geben und waren damit auch noch gut bedient. Das besiegelte zwar endgültig das Aus in diesem Bewerb, immerhin bleibt nach dem vierten Nuller im fünften Spiel aber noch die Chance auf den dritten Platz und damit das Überwintern im Europacup.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp ließ wie erwartet einige Stars auf der Bank, brachte aber mit Mohammed Salah seinen Topstürmer. Unter der Führung des Ersatzkapitäns erzielte Luis Diaz mit einem Kopfball das frühe 1:0 (12.), Cody Gakpo sorgte für den Doppelschlag (15.).

Die „Reds“ hätten vor rund 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern noch höher gewinnen können. Doch zweimal rettete Aluminium und einige Male Tobias Lawal, der LASK-Goalie verschuldete allerdings auch den von Salah verwerteten Foulelfmeter zur endgültigen Entscheidung (51.). In der Nachspielzeit traf Gakpo zum 4:0 (92.).

Stadion vor Anpfiff
ORF/Bernhard Kastler
Als fünfte österreichische Clubmannschaft gastierte der LASK an der Anfield Road

Damit bleibt der GAK weiterhin die einzige österreichische Mannschaft, die in Anfield gepunktet (und 2004 sogar mit 1:0 gewonnen) hat. Dem LASK, der von 2.500 Fans leidenschaftlich angefeuert wurde, bleibt nach dem 0:0 von Toulouse (acht Punkte) gegen Union St. Gilloise (fünf) die Hoffnung auf Rang drei und den damit verbundenen Umstieg in die Conference League. Aktuell hält man bei drei Zählern. Ein Sieg gegen Toulouse (14. Dezember) ist Pflicht, die „Reds“ dürfen sich über den fixierten Gruppensieg freuen.

Gänsehautatmosphäre in Anfield

Der LASK hat es in jüngerer Vergangenheit weit gebracht, wenn man bedenkt, dass der Club noch vor zehn Jahren in der Regionalliga gegen Teams wie Allerheiligen um Punkte kämpfte. Als Lohn für die Arbeit im letzten Jahrzehnt durfte man als erst fünfte Mannschaft aus Österreich auf einer der größten Bühnen im Weltfußball auftreten. „Man merkt, dass in diesem Stadion viel Geschichte drinsteckt“, sagte Liverpool-Legionärin Marie-Therese Höbinger über das Stadion in Anfield, das 1884 eröffnet wurde und sich zu einem Wahrzeichen entwickelt hat.

Fotostrecke mit 7 Bildern

Großes Grafiti zeigt den ehemaligen Liverpool Spieler Steven Gerrard
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Liverpool lebt Fußball: Viele Wandgemälde (Murals) mit „Reds“-Bezug zieren die Stadt, hier Ikone Steven Gerrard
Der Fanshop an der Anfield Road, in Liverpool
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Weihnachten ist auch im XXL-Store direkt neben dem Stadion nicht mehr weit
Das Stadion von Liverpool an der Anfield Road
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Im Stadtteil Anfield steht eine der legendärsten Spielstätten im Weltfußball
„The Kop“ im Stadion von Liverpool an der Anfield Road
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Besonders berühmt ist „The Kop“, die Fantribüne des harten Kerns, hier soll einst der Fangesang entstanden sein
Die „Champions Wall“ am Stadion an der Anfield Road
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Liverpool gehört zu den erfolgreichsten Clubs im Fußball überhaupt
Anfield Schild im Spielertunnel im Stadion von Liverpool
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„This is Anfield“: Die Spieler der „Reds“ berühren es vor dem Gang auf das Spielfeld
Das Stadion an der Anfield Road von innen
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Abschlusstraining in Anfield: Links ist die neue Tribüne bereits zu sehen, noch ist sie aber nicht in Betrieb

Die „Reds“ sind in der 500.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Englands genauso allgegenwärtig wie die berühmtesten Söhne der Stadt. Die 2.500 mitgereisten LASK-Anhänger, die mehrheitlich am Donnerstag mit acht Fanfliegern am John-Lennon-Airport ankamen, begaben sich auch auf die Spuren der Beatles, fieberten aber vor allem diesem Highlightspiel entgegen. Nach einem Fanmarsch erreichten sie die Arena im Norden der Stadt, die aktuell noch 54.000 Menschen Platz bietet, aber bald für mehr als 60.000 zugänglich sein wird.

Klopp schont nicht alle Stars

Wer an Liverpool denkt, denkt nicht nur an die Beatles, sondern auch an Gary and the Pacemakers. „You’ll never walk alone“ ist die weltberühmte Hymne des Clubs, die es auch in das Logo geschafft hat. Wie immer wurde sie auch an diesem kalten, aber trockenen Abend abgespielt und vereinte die Fans beider Lager in Gänsehautmomenten, ehe es auf dem Platz zur Sache ging. Coach Klopp ließ wie beim 3:1 in Linz seine Stars auf der Bank, die Ausnahme stellte Topstürmer Salah dar, der es bald richten sollte.

Denn Liverpool musste nach dem überraschenden 2:3 in Toulose den Aufstieg erst noch fixieren. LASK-Coach Thomas Sageder konnte aus dem Vollen schöpfen und bot seine aktuell stärkste Elf auf, der zuletzt angeschlagene Sascha Horvath kehrte in die Startformation zurück.

Doppelschlag bringt „Reds“ auf Kurs

„Wir wollen Liverpool alles abverlangen“, forderte Sageder vor der Partie, und seine Mannschaft setzte das mit Pressing in den ersten Minuten brav um. Die Gäste kamen auch in den Strafraum, aber der letzte Pass klappte an diesem Abend selten bis gar nicht. Liverpool kam gemütlich in der Partie an und schaltete kontinuierlich rauf, die erste Chance vergab Cody Gakpo frei stehend nach elf Minuten.

Tor von Luis Diaz zum 1:0
Reuters/Craig Brough
Luis Diaz brachte die „Reds“ mit dem Kopf in Führung

Aber wenig später durften die Gastgeber schon das erste Mal jubeln: Diaz, dessen Eltern in Kolumbien entführt und später wieder freigelassen wurden, leitete sich das Tor mit einem Pass zu Joe Gomez selbst ein und verwertete dann mit einem sehenswerten Flugkopfball (12.). Nach einem neuerlich verunglückten LASK-Angriff zeigte Liverpool wieder seine Klasse: Der Ball schien schon verloren, doch Diaz legte im Strafraum zu Salah, und dessen butterweiche Flanke verwertete Gakpo an der zweiten Stange (15.). Das erste Ziel war erreicht: Der Favorit führte mit einer 1B-Elf früh und komfortabel.

Tor von Cody Gakpo zum 2:0
Reuters/Craig Brough
Gakpo verwertete die Hereingabe von Salah, der schon lächelte

Und weil es sich so gleich viel angenehmer spielen lässt, ließ Liverpool in der ersten Hälfte eine Lawine los, immer wieder auch begünstigt durch simple Ballverluste des LASK. Nach einer kurzen Schaffenspause knallte Linksverteidiger Kostas Tsimikas das Leder an die Latte (32.), setzte Harvey Elliott einen Freistoß knapp vorbei (34.), beförderte Diaz den Ball drüber (40.). Salah prüfte noch Lawal (44.), ehe sich der LASK in der Kabine neu sammeln durfte. Das galt auch für die mitgereisten Linzer Anhänger, die durchgehend ihre Mannschaft anfeuerten.

Salah macht bald alles klar

Liverpool machte aber nach Seitenwechsel dort weiter, wo man aufgehört hatte, und überforderte die Linzer. Es dauerte nicht lange, ehe der Favorit erhöhte. Lawal kam bei einem Zuspiel auf Diaz in den Strafraum letztlich einen Tick zu spät, und so blieb dem Schweizer Unparteiischen Urs Schnyder nichts anderes übrig, als auf den Punkt zu zeigen. Salah verwertete trocken ins rechte Eck (51.). Drei Minuten später beförderte Gakpo den Ball noch an die Außenstange (54.).

Elfmeter von Mohamed Salah zum 3:0
Reuters/Molly Darlington
Liverpool-Star Mohammed Salah verwertete bald nach Seitenwechsel zur Entscheidung

Der LASK kam auch in der zweiten Hälfte in die Gefahrenzone und hätte zumindest einen Treffer erzielen müssen, doch Marin Ljubicic jagte den Ball über das Tor (65.) und Ibrahim Mustapha, der erst eingewechselt und später verletzt ausgewechselt wurde, scheiterte an Liverpool-Goalie Caoimhin Kelleher (65.) – wie auch Moses Usor (78.).

LASK bleibt Treffer verwehrt

In der Zwischenzeit hatten beide Trainer fleißig gewechselt, Klopp nahm Salah vom Feld und brachte drei „Edeljoker“ in die Partie. Einer davon war der Stürmer Darwin Nunez, der aber Lawal nicht bezwingen konnte (59.). Sageder toppte Klopp mit einem Vierfachwechsel und stellte defensiv auf eine Viererkette um. Danach bekam der LASK die Lawine etwas besser in den Griff und eben selbst zu Chancen. Einen Treffer hätten sich die fleißig unterstützenden LASK-Fans verdient, aber auch Zuljs Fersler fand nicht den Weg ins Tor. Es blieb letztlich bei einem atmosphärischen Highlight – inklusive einer Lehrstunde.

Stimmen zum Spiel:

Jürgen Klopp (Liverpool-Trainer): „Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden, aber wir hätten in der ersten Hälfte mehr Tore schießen müssen. Dann sind wir durch die Wechsel ein bisschen aus dem Rhythmus gekommen. In der zweiten Hälfte haben wir ein bisschen Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gespielt, das hat mir nicht gefallen. Aber alles gut, keiner hat sich verletzt. Der LASK spielt eine tolle Saison, wenn wir heute schlechter gespielt hätten, wären sie da gewesen.“

Thomas Sageder (LASK-Trainer): „Wir haben viel versucht, die ganze Werkzeugkiste ausgepackt. Schön wäre gewesen, wenn wir noch das Tor gemacht hätten, das wäre verdient gewesen. Der Support unserer Fans war unfassbar. Sie waren so laut wie die heimischen Fans.“

Robert Zulj (LASK-Kapitän): „Wir haben in den ersten zehn Minuten einfach den Ball verschenkt. Die machen im Gegenzug zwei sehr leichte und einfache Tore. Und wenn du dann zwei Tore hinten bist, dann gibt es hier nichts zu holen. In diesem Stadion muss schon viel zusammenkommen, dass du etwas holst. Aber man kann den Jungs nichts vorwerfen, weiter geht’s!“

UEFA Europa League, Gruppe E, fünfter Spieltag

Donnerstag:

Liverpool – LASK 4:0 (2:0)

Liverpool, Anfield, SR Schnyder (SUI)

1:0 Diaz (12.)
2:0 Gakpo (15.)
3:0 Salah (51./Elfmeter)
4:0 Gakpo (92.)

Liverpool: Kelleher – Gomez, Konate (56./Alexander-Arnold), Quansah, Tsimikas (82./Chambers) – Elliott, Endo, Gravenberch (82./Bradley) – Salah (56./Nunez), Gakpo, Diaz (56./Jones)

LASK: Lawal – Ziereis, Andrade, Talowjerow (60./Renner) – Stojkovic (60./Flecker), Ljubic, Horvath, Bello (60./Havel) – Ljubicic (61. Mustapha/74. Kone), Zulj, Usor

Gelbe Karte: Talowjerow