Brasiliens Präsident der nationalen Fußballverbandes Ednaldo Rodrigues
APA/AFP/Mauro Pimentel
Fußball

Führungskrise im brasilianischen Verband

Brasiliens Fußball hat mit einer großen Verbandskrise zu kämpfen. Ein Gericht des Bundesstaates Rio de Janeiro enthob den Präsidenten des nationalen Verbandes CBF, Ednaldo Rodrigues, am Donnerstag seines Amtes.

Ihm werden Unregelmäßigkeiten bei seiner Wahl im vergangenen Jahr vorgeworfen. Laut Gerichtsbeschluss, gegen den die CBF in Berufung gehen kann, muss innerhalb von 30 Tagen ein neuer Präsident gewählt werden.

Für den brasilianischen Verband kommt die Führungskrise zur Unzeit. Am Freitag ist beim Weltverband FIFA offizieller Abgabeschluss für die Bewerbung der Frauen-WM 2027. Neben Brasilien bemühen sich Deutschland, die Niederlande und Belgien in einer gemeinsamen Bewerbung sowie die USA zusammen mit Mexiko um den Zuschlag. Die Entscheidung über die Vergabe soll am 17. Mai 2024 auf dem FIFA-Kongress in Bangkok fallen.

Internationale Sperre nicht auszuschließen

Das Urteil könnte zu einer Suspendierung des Verbandes durch die FIFA führen, da die Statuten des Weltverbandes eine Einmischung staatlicher Organe in Angelegenheiten seiner nationalen Mitgliedsverbände untersagt. Dann wären brasilianische Teams, Funktionäre und Schiedsrichter für internationale Spiele und Veranstaltungen gesperrt. Das wäre auch ein großer Rückschlag im Bestreben des Verbandes, Real Madrids Startrainer Carlo Ancelotti für die „Selecao“ im kommenden Jahr zu gewinnen.

Hintergrund für den Gerichtsbeschluss ist eine Vereinbarung zwischen der CBF und der Staatsanwaltschaft, die es dem damaligen Interimspräsidenten Rodrigues ermöglichte, bei den Wahlen im vorigen Jahr für das Amt zu kandidieren. Seine Amtszeit läuft eigentlich bis 2026. Rodrigues ist damit der nächste CBF-Präsident, der mit rechtlichen Problemen zu kämpfen hat.

Sein Vorgänger Rogerio Caboclo wurde im Zusammenhang mit einem Fall sexueller Belästigung suspendiert. Davor waren Ricardo Teixeira, Jose Maria Marin und Marco Polo del Nero in Korruptionsfälle verwickelt. Bis zur Neuwahl soll der Chef des Sportgerichts des Landes, Jose Perdiz, interimsweise die Geschäfte übernehmen.