Quarterback Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) jubelt mit der Vince Lombardi Trophy
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Super Bowl

„Mahomes-Magic“ führt in neue Dynastie

Spätestens mit dem dritten Titel in den vergangenen fünf Saisonen haben sich die Kansas City Chiefs in der Historie der National Football League (NFL) als Dynastie verewigt. Wie es für einen Superstar üblich ist, war Patrick Mahomes da, als es drauf ankam. Der Quarterback der Chiefs führte seine Offensive am Ende im Super-Bowl-Krimi von Las Vegas gegen die San Francisco 49ers zum 25:22-Triumph nach Verlängerung. Passend zu einer durchwachsenen Saison benötigte es viel Mühe, eine sehr gute Verteidigung – und am Ende „Mahomes-Magic“.

„Wir haben viel durchgestanden in diesem Jahr, ich bin stolz auf diese Burschen“, sagte Mahomes. „Es ist beeindruckend, es ist legendär.“ Erstmals seit Tom Brady und den New England Patriots 2005 gelang eine erfolgreiche Titelverteidigung. Die Chiefs standen in fünf Jahren viermal im Finale und gewannen drei davon. „Es ist der Start (einer Dynastie, Anm.), wir sind noch nicht fertig“, so Mahomes. „Jetzt feiern wir. Aber wir sind ein junges Team, wir werden so weitermachen.“

Mahomes selbst ist erst 28 Jahre alt, kein anderer Quarterback war bei drei Super-Bowl-Titeln so jung. Sein kongenialer Anspielpartner Travis Kelce war wie Trainer Andy Reid bei den drei Titelgewinnen 2020, 2023 und 2024 an seiner Seite, und beide wischten Rücktrittsgerüchte weg, um nächstes Jahr den ersten „Threepeat“ in der NFL zu schaffen.

Super Bowl: Chiefs verteidigen Titel

Die Kansas City Chiefs haben am Sonntag (Ortszeit) in Las Vegas Super Bowl LVIII gegen die San Francisco 49ers mit 25:22 nach Verlängerung gewonnen.

„Er lässt das Schwierige einfach aussehen“

Zu jeder Dynastie gehört neben dem Superstar auf dem Feld das Mastermind daneben, und das ist Headcoach Reid. „Er ist für mich der beste Trainer“, lobte Mahomes. Dieser gab zurück: „Er lässt das Schwierige einfach aussehen.“ Kelce stimmte mit ein: „Der Typ hat Magie in seinem rechten Arm“, sagte der Tight End. Der Freund von Popsuperstar Taylor Swift hatte wie die gesamte Chiefs-Offense eine schwache erste Hälfte, kam aber noch auf 93 Yards. Die Verteidigung hielt Kansas City immer im Spiel, die 49ers erlaubten sich zumindest einen Fehler zu viel, und Mahomes ließ sich dann nicht zweimal bitten.

Jubel von Chiefs-Headcoach Andy Reid mit seinem Quarterback Patrick Mahomes
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Spielmacher Mahomes und Headcoach Reid jubeln über ihren dritten Titel in fünf Saisonen

Die Chiefs, die in der Starter-Ära von Mahomes auf die wenigsten Siege im Grunddurchgang kamen, drehten wie im Vorjahr gegen die Philadelphia Eagles und vor vier Jahren gegen die 49ers im Endspiel einen Zehnpunkterückstand um und holten den vierten NFL-Titel ihrer Clubgeschichte. In der Verlängerung legte San Francisco mit einem Field-Goal vor, dann kam Mahomes, der am Ende 333 Yards und zwei Touchdown-Pässe zu Buche stehen hatte – allerdings auch eine leichtfertige Interception – und sich wie in dieser Saison oft mühte.

Im letzten Drive war Mahomes messerscharf wie eh und je, siehe die Auswärtserfolge in der Postseason bei den Buffalo Bills und den Baltimore Ravens. 13 Spielzüge, 75 Yards Raumgewinn, alle acht Pässe kamen an, zwei Runs und am Ende drei Yards ins Glück zu Receiver Mecole Hardman. Der kehrte erst im Laufe der Saison von den New York Jets zurück und realisierte erst gar nicht, dass mit diesem Touchdown die Partie zu Ende war („Ich hatte ein Blackout“) – Mahomes erinnerte ihn schnell. „Er hat mich angesehen und hatte keine Ahnung. Er hat nicht einmal gefeiert zu Beginn.“ Das sollte sich Momente danach ändern und die nächsten Tage anhalten.

Fotostrecke mit 14 Bildern

Travis Kelce und Taylor Swift
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Happy End: Travis Kelce feierte mit Freundin und US-Superstar Taylor Swift den Gewinn der Super Bowl
Blick ins Stadion
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Die 58. Ausgabe des Endspiels in der NFL fand dieses Mal in Las Vegas statt
Field Goal von Jake Moody zum 0:3
Reuters/Mike Blake
In einer offensiv zähen Partie waren auch die Kicker immer wieder gefragt
Christian McCaffrey mit dem ersten Touchdown des Spiels
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Der erste Touchdown gelang 49ers-Runningback Christian McCaffrey
Patrick Mahomes
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Patrick Mahomes wurde von der 49ers-Defense gejagt
Usher während der Halftime-Show
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In der Halbzeit hatten die Teams Pause und Usher mit seinen Kostars den großen Auftritt
 Ji’Ayir Brown mit einer Interception
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Nach der Pause fingen die 49ers einen Pass von Mahomes ab
57-Yard-Field-Goal von Harrison Butker
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Harrison Butker traf aus 57 Yards – das gelang zuvor noch keinem Kicker in der Super Bowl
Marquez Valdes-Scantling fängt den ersten Chiefs-Touchdown
APA/AFP/Timothy A. Clary
Marquez Valdes-Scantling brachte die Chiefs erstmals in Führung
Jauan Jennings mit dem zweiten Touchdown der 49ers
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Die 49ers meldeten sich in einem Schlagabtausch zurück
Mecole Hardman Jr. jubelt mit Mitspielern
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Am Ende war es aber wieder einmal „Mahomes Magic“, das den Unterschied machte
Trey Smith sitzt am Spielfeld
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Die Chiefs haben in den vergangenen fünf Saisonen dreimal den Titel geholt – das nennt sich Dynastie
Patrick Mahomes mit der Vince Lombardi Trophy
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Ein mittlerweile gewohntes Bild: Mahomes mit der Vince-Lombardi-Trophäe
Siegerehrung
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Als erstes Team seit New England (2005) verteidigte Kansas City den Titel

Mahomes wurde zum dritten Mal als wertvollster Spieler einer Super Bowl ausgezeichnet, nur Brady (fünf) hat diese Auszeichnung öfter erhalten. Den siebenfachen Champion jagt Mahomes unentwegt, auch wenn er, darauf angesprochen, wissen lässt, dass Brady mit Tampa Bay das direkte Duell in der Super Bowl 2021 gewonnen hat. Doch nach der Patriots-Dynastie – insgesamt sechs Titel von 2002 bis 2005 bzw. 2015 bis 2019 – haben nun die Chiefs das NFL-Szepter fest in der Hand.

49ers machen Sack wieder nicht zu

Die 49ers müssen unterdessen damit leben, dass sie selbst eine Dynastie sein könnten, wenn sie nicht Jahr für Jahr entscheidende Partien aus der Hand geben würden. Vor vier Jahren führten sie in der Super Bowl gegen Kansas City sechseinhalb Minuten vor Schluss 20:10 und verloren 20:31. Vor zwei Jahren lagen sie im Conference-Finale gegen die Los Angeles Rams im Schlussviertel 17:7 voran und verloren 17:20. Auch im Vorjahr erreichten sie die Vorschlussrunde.

San Francisco spielte gut, aber nicht gut genug, um die hohe Hürde Kansas City zu nehmen. Kicker Jake Moody präsentierte sich aus der Distanz souverän, vergab aber einen Extrapunkt. Das Special Team legte Mahomes einen Touchdown auf, im Finish der regulären Zeit hätte wohl ein First Down mehr zum Sieg gereicht. Bittere Randnotiz: Einige Spieler kannten die neuen Overtime-Regeln nicht. So oder so „tut es weh, und es wird in Wellen so weitergehen“, sagte Verteidiger Nick Bosa, der mit seiner Verteidigung Mahomes lange in Schach hielt.

Enttäuschter Headcoach Kyle Shanahan (San Francisco 49ers)
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Kyle Shanahan verlor auch seine dritte Super Bowl, zum zweiten Mal als 49ers-Chefcoach

Auf den ersten Super-Bowl-Titel seit 1995 müssen die Fans des Traditionsteams, die in Las Vegas in der Überzahl waren, aber nach 29 Jahren weiter warten. „Es tut sehr weh. Wir haben keine Worte im Moment“, erklärte Chefcoach Kyle Shanahan, der die 49ers 2017 übernommen hatte. Im selben Jahr war er als Offensive Coordinator der Atlanta Falcons auch in der ersten Super-Bowl-Verlängerung der Geschichte unterlegen – nach einer 28:3-Führung gegen die Patriots.

„Wir sind sehr enttäuscht. Aber wenn ich mit jemandem verliere, dann will ich mit diesen Burschen verlieren“, sagte der 44-Jährige nun. Seine Spieler hätten alles auf dem Spielfeld gelassen. „Es ist etwas, mit dem wir leben müssen. Und ich weiß, dass wir damit umgehen können.“