Andreas Gruber (A.Wien) gegen Leopold Querfeld (Rapid)
GEPA/Armin Rauthner
Bundesliga

Wiener Derby mit brisanten Vorzeichen

Vor dem großen Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria in der Admiral Bundesliga geht es wieder einmal um die Teilnahme in der Riege der Großen. Im Rennen um den Platz in der Meistergruppe winkt dem Sieger im 342. Duell der Stadtrivalen eine gute Ausgangsposition vor den entscheidenden zwei Runden. Der Verlierer muss bangen. Rapid kämpft am Sonntag (17.00 Uhr) auch um das Ende einer schon zehn Jahre währenden Heimmisere gegen die Austria. Die Gäste treten personell geschwächt an.

Seit 9. Februar 2014 – einem 3:1-Sieg – wartet Rapid in Hütteldorf auf einen Erfolg gegen die Austria. Das im Sommer 2016 fertiggestellte Allianz Stadion darf mittlerweile als violette Wohlfühloase geltend gemacht werden. Bei sieben Remis holte die Austria seither vier Siege im Westen Wiens. „Wir wollen diese Serie auf alle Fälle beibehalten“, sagte Dominik Fitz. Der Spielmacher der Austria war beim letzten Rapid-Sieg in Hütteldorf 14 Jahre alt.

Für die Grün-Weißen ist es Zeit, diese Serie zu beenden. Die Zuversicht ist nach dem gelungenen Start ins neue Jahr groß, auch betreffend den Platz in den Top Sechs. „Wir gehen fest davon aus, dass wir am Sonntag gewinnen. Wir sind überzeugt, dass wir am Ende über dem Strich sind“, betonte Geschäftsführer Steffen Hofmann.

Richtungsweisendes Wiener Fußballderby

Das 342. Wiener Fußballderby am Sonntag ist richtungsweisend. Sowohl für Rapid als auch für die Austria geht es um einen Platz in der Meistergruppe. Rapid kämpft zudem um das Ende einer langen Negativserie im eigenen Stadion.

„Die ersten Spiele waren richtig gut, ich bin extrem optimistisch. Man merkt, wie viel Euphorie jetzt vorhanden ist“, sagte Sportgeschäftsführer Markus Katzer. Auch bei den Fans herrscht große Vorfreude, seit drei Wochen ist das Allianz Stadion mit 26.000 Zuschauern ausverkauft.

Premiere für Klauß

Viel Optimismus strahlt auch Trainer Robert Klauß vor seinem ersten Wiener Derby aus. „Die zwei Spiele (gegen WAC und Sturm, Anm.) waren ein Schritt in die richtige Richtung, wir haben jeweils schwierige Phasen überstanden. Die Jungs nehmen viel Schwung aus diesen Spielen mit, das stärkt uns in unserem Tun. Der Prozess ist angestoßen, es geht auch darum, Stärke und Selbstvertrauen zu entwickeln. Dass die Spieler rausgehen und sich sagen: Es gibt nur einen Sieger, und das sind wir“, sagte Klauß, der abgesehen von den Langzeitverletzten aus dem Vollen schöpfen kann.

Bundesliga, 20. Runde

Sonntag, 17.00 Uhr:

Rapid – Austria

Allianz Stadion, SR Gishamer

Mögliche Aufstellungen:

Rapid: Hedl – Kasanwirjo, Hofmann, Querfeld, Auer – Sattlberger, Grgic – Lang, M. Seidl, Grüll – Burgstaller

Austria: Kos – Martins, Plavotic, Galvao – Ranftl, Holland, Fischer, Krätzig – Gruber, Schmidt, Fitz

Die Austria ist gegen Rapid in der Liga insgesamt zwölf Spiele ungeschlagen. Die Tabellensituation und vor allem die lange Negativserie gegen den Lokalrivalen wird bei Rapid möglichst ausgeblendet. „Statistiken haben eine gewisse Aussagekraft. Ich weiß, dass das im Umfeld bei Fans, Journalisten und vielleicht auch dem einen oder anderen Spieler im Kopf ist, aber wir werden thematisieren, was wichtig ist, und uns darauf fokussieren“, erzählte Klauß.

Personalprobleme bei Austria

Die Statistik kennt natürlich auch Austria-Coach Michael Wimmer vor dem ersten Wiener Derby zweier deutscher Trainer (Mike Büskens bzw. Thorsten Fink) seit Herbst 2016. „Natürlich ist das Thema in der Kabine“, berichtete Wimmer. Er selbst wollte sich mit Statistiken nicht beschäftigen. Der Bayer muss adaptieren, einige Akteure fallen aus. Johannes Handl und Romeo Vucic sind gesperrt, dazu kommen die verletzten Fisnik Asllani und Marvin Potzmann. Torhüter Christian Früchtl hat ebenso wie Muharem Huskovic erst Teile des Mannschaftstrainings absolviert, das Duo ist für die Startelf somit wohl kaum Thema.

James Holland – wie Sportdirektor Manuel Ortlechner 2014 dabei – könnte im zentralen Mittelfeld zum Zug kommen, Alexander Schmidt soll das Selbstvertrauen seines Tores zuletzt gegen Altach mitnehmen. Der in der Vorwoche erkrankt fehlende Andreas Gruber drängt sich laut Wimmer („Er ist heiß auf das Spiel“) auf. „Egal, wer im Kader steht. Ich vertraue jedem“, hielt der Austria-Coach demonstrativ fest. „Wichtig ist, dass es die Mannschaft auf den Platz kriegt. Dass man mit Mut und Energie so Fußball spielt, wie wir uns das vorstellen.“ Als taktische Überlegung dachte er auch eine Viererkette an.

Beidseitiges Selbstvertrauen

Beide Teams gehen in diesem Jahr in der Liga ungeschlagen und daher mit viel Selbstvertrauen in das stets emotionale Stadtderby. Rapid liegt als Sechster einen Zähler vor der Austria. Zwei Runden sind nach dem Derby vor Ende des Grunddurchgangs noch zu spielen. „Jedes Ergebnis kann jetzt richtungsweisend sein. Jetzt geht darum, uns volle Pulle auf Sonntag zu fokussieren. Es geht um Emotionen, Leidenschaft, darum, mutig zu sein“, sagte Wimmer. Fitz ergänzte: „Im Derby geht es um extrem viel.“