Leichtathletin Verena Mayr (AUT, UNION Ebensee)
APA/EXPA/Reinhard Eisenbauer
Leichtathletik

Mehrkämpferin Mayr gibt WM-Comeback

Verena Mayr sieht ihre zweite Karriere als Geschenk. Wenn es funktioniere, nehme sie das „mit Freude“. Falls nicht, blicke sie auf eine „super Zeit“ zurück. Die Siebenkampf-WM-Dritte von Doha 2019 tritt nach verletzungsbedingt schwierigen Jahren am Freitag bei der Hallen-WM in Glasgow erstmals seit Olympia 2021 wieder bei internationalen Titelkämpfen an. In Schottland will die 29-Jährige mit einer guten Fünfkampf-Leistung Punkte für die Olympischen Spiele im Sommer in Paris sammeln.

Bei der Olympiaelften von Tokio begannen 2021 erstmals aufgetretene Oberschenkelprobleme in der Folge immer stärker zu werden. Es dauerte lange, bis es eine Diagnose gab: Beidseitig war am Oberschenkelansatz die Sehne am Sitzbeinhöcker eingerissen. Erst seit Februar 2023 ist die Oberösterreicherin wieder voll im Training.

„Das war kein einfacher Prozess, jeder wollte helfen, es war frustrierend. Oft hat eine Therapiemöglichkeit geholfen, aber zwei Wochen später sind die Schmerzen wieder gekommen. Es war eine lehrreiche Zeit, ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören“, so Mayr.

„Zweite Chance“ mit neuem Trainerumfeld

Die „zweite Chance“ in ihrer Karriere will Österreichs Siebenkampf-Rekordhalterin nützen. „Ich habe schon sehr viel erreichen und erleben dürfen. Ich werde nochmals alles dafür geben und dem alles unterordnen. Ich habe nicht den Druck, dass ich muss. Ich kann. Mein Körper ist nach der Verletzung wieder fit und hält einen Siebenkampf wieder aus, ohne dass es wehtut. Das war auch mental ganz wichtig.“

Leichtathletin Verena Mayr (AUT, UNION Ebensee)
APA/EXPA/Reinhard Eisenbauer
Verena Mayr nimmt nicht nur im Hochsprung Anlauf zu den Olympischen Spielen

Geändert hat Mayr auch ihr Trainingsumfeld, im Oktober 2023 hat sie sich in Nizza der Gruppe von Coach Rudy Bourguignon angeschlossen. Nach der Entscheidung ihres langjährigen Trainers Wolfgang Adler, für Swiss Sliding zu arbeiten, musste auch Mayr im vergangenen Herbst ihre Situation evaluieren. „Ich hätte Österreich verlassen müssen, entweder mit Wolfgang in die Schweiz gehen oder was anderes machen.“ Nach 14 Jahren Zusammenarbeit entschied sie sich für etwas Neues und machte sich auf die Suche nach einem Trainer.

An der Cote d’Azur hat sie sich gut eingelebt und mittlerweile eine Wohnung bezogen. „Wie lange ich jeweils in Nizza bin, das steuert sich durch die Trainingslager und Wettkämpfe. Mir ist es ganz wichtig, auch daheim bei Familie und Freunden zu sein.“ Wie die französische Sprache lernt Mayr auch Bourguignon immer besser kennen. „In Glasgow geht es auch darum, zu lernen, wie der andere in einer bestimmten Situation tickt. Wie reagiert der Trainer, wenn ich nervös bin? Es ist jetzt auch die Phase, in der wir gemeinsam lernen.“

Überraschende WM-Qualifikation

Die Hallen-WM-Teilnahme war eigentlich gar nicht eingeplant, wie der Sieg mit 4.525 Punkten bei den Staatsmeisterschaften in Linz sind aber auch die Welttitelkämpfe Punktelieferant für das Ranking. Das hilft auf dem Weg zur Teilnahme an der EM im Juni in Rom und Olympia im August in Paris. Nach Glasgow hat Mayr Starts bei den Siebenkämpfen in Desenzano und Götzis vorgesehen. Ebenso bei der EM, die für die Olympiaqualifikation noch entscheidend sein könnte.

Als „geborene Hallenmehrkämpferin“ sieht sich Mayr nicht, und fünf Disziplinen an einem Tag zu absolvieren sei durchaus eine Herausforderung. An die Arena in Glasgow hat sie aber gute Erinnerungen, 2019 erreichte sie als Sechste der Hallen-EM dort mit 4.637 Punkten ihre persönliche Bestleistung. Konkurrentinnen bei der WM sind unter anderen die Jahresbeste Maria Vicente aus Spanien (4.728) und Titelverteidigerin Noor Vidts aus Belgien.

ÖLV-Quintett in Glasgow am Start

Österreich ist in Glasgow mit einem Quintett vertreten. Neben Mayr starten noch Susanne Gogl-Walli (400 m), Magdalena Lindner (60 m), Karin Strametz (60 m Hürden) und Markus Fuchs (60 m). Gogl-Walli hat das Olympiaticket bereits gelöst, die anderen benötigen dafür noch gute Leistungen.

Fuchs, der in Paris die 100 m laufen möchte, peilt das Semifinale an und ist mit seiner Saisonbestzeit von 6,60 Sekunden nicht weit vom ÖLV-Rekord (6,56) entfernt. Lindner hat ihre Bestzeit zuletzt auf 7,32 Sekunden gedrückt, könnte sich auf der schnellen Bahn in Glasgow noch weiter steigern und damit auch mit dem Aufstieg ins Halbfinale spekulieren. Strametz lief in dieser Hallensaison mit 8,03 ebenfalls so schnell wie noch nie, sie peilt eine Zeit unter acht Sekunden an, langfristig soll der ÖLV-Rekord von 7,96 fallen.

Gogl-Walli ist wie Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und Speerwerferin Victoria Hudson mit dem Direktlimit für Olympia qualifiziert. Seit die Oberösterreicherin 2019 bei der Hallen-EM in Glasgow ihr internationales Debüt gab, lieferte Gogl-Walli bei Großereignissen mit Halbfinal-Einzügen bei Olympia, WM und EM ab. Die Hallen-EM-Vierte vom Vorjahr mit dem ÖLV-Rekord von 51,73 Sekunden ist 15. der Meldeliste. Derzeit sieht der Modus nach den Vorläufen nur zwei Halbfinal-Läufe mit insgesamt zwölf Athletinnen vor. „Dann ist das natürlich ein sehr ambitioniertes Ziel, aber in der Halle kann immer viel passieren“, meinte die 27-Jährige.