Vizekanzler Werner Kogler (Grüne)
APA/Georg Hochmuth
Bundesliga

Kogler stellt Rapid Rute ins Fenster

Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler hat die verbalen Entgleisungen aus dem Lager von Rapid nach dem gewonnenen Derby gegen die Austria scharf verurteilt. „Mir reicht’s jetzt nämlich. Wir tun wirklich sehr viel, da kann es nicht sein, dass die Vereine von innen heraus morsch werden“, sagte der Politiker der Grünen im Mittagsjournal am Mittwoch. Kogler nahm auch die Sponsoren in die Pflicht und stellte sowohl Rapid als auch Hauptsponsor Wien Energie die Rute ins Fenster.

Rapid-Spieler würden einen der wichtigsten öffentlichen Betriebe in der Bundeshauptstadt repräsentieren, „und dann kommt so etwas raus“, sagte Kogler. „Homophobie, Rassismus, Sexismus hat keinen Platz, und das kann ja nicht nur für Sonntagsreden gelten, sondern muss auch gelebt werden.“

Am Montag hatte zunächst ein Video von Rapids Geschäftsführer Steffen Hofmann die Runde gemacht, in dem dieser deftig gegen den Stadtrivalen austeilt. Stunden später wurden weitere Videos publik, in denen Kotrainer Stefan Kulovits sowie die Spieler Guido Burgstaller, Marco Grüll, Thorsten Schick, Maximilian Hofmann und Niklas Hedl zu sehen sind, wie sie gemeinsam mit Fans teils homophobe Gesänge gegen die Austria anstimmen.

Wien Energie kündigt Gespräche an

Wien Energie hatte sich in der Causa am Dienstag schriftlich zu Wort gemeldet. In einem Statement hieß es: „Wien Energie setzt sich für Vielfalt und gegen jede Art von Diskriminierung ein. Die Äußerungen, die in den letzten Tagen von einzelnen Rapid-Spielern und Funktionären bekanntgeworden sind, passen damit nicht zusammen und entsprechen nicht unseren Werten.“

Man distanziere sich von den homophoben und beleidigenden Äußerungen und begrüße die klaren Worte von Rapid-Präsident Alexander Wrabetz und Vizepräsidentin Edeltraud Hanappi-Egger. Das könne aber nur ein erster Schritt sein. Nach Koglers Statements hielt Wien Energie am Mittwoch außerdem fest, dass man Gespräche mit Rapids Vereinsführung in den nächsten Tagen angesetzt habe.

Liga zeigt Rapid und Spieler nach Eklat an

Dem SK Rapid Wien drohen als Folge der verbalen Entgleisungen nach dem Sieg im Wiener Derby gegen die Austria drastische Konsequenzen. Die Bundesliga erstattete Anzeige beim Senat I. Die kollektive Entschuldigung des Clubs vermochte das nicht mehr zu verhindern.

Michael Strebl, Vorsitzender der Wien-Energie-Geschäftsführung, forderte „konkrete Maßnahmen, die sie setzen werden, um die Einhaltung der Werte des SK Rapid durch Funktionäre und Spieler zu gewährleisten und weiteres Fehlverhalten zu verhindern“. Die getätigten Aussagen seien nicht nur gesamtgesellschaftlich zu verurteilen, sondern hätten auch einen „massiv negativen Einfluss“ auf Wien Energie. Der Fußballclub selbst hat eine interne Aufarbeitung angekündigt.

Kogler fordert Konsequenzen

Kogler rief Rapid und andere betroffene Vereine auch dazu auf, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. „Wir würden nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern anbieten, die Institutionen in Anspruch zu nehmen. Mir scheint, das ist ein eklatanter Fall für diesen Bedarf – das ist noch diplomatisch ausgedrückt.“

Das Sportministerium habe etwa „100 % Sport“ (Österreichisches Zentrum für Genderkompetenz im Sport) mit Geschäftsführerin Claudia Koller ins Leben gerufen. Diese strich gegenüber Ö1 die Vorbildfunktion der Beteiligten hervor. „Wie fühlen sich schwule Jugendliche? Wie fühlen sich schwule Sportler, die solche Gesänge sogar von den höchsten Funktionären hören? Da wird eine Situation geschaffen, die es extrem schwierig macht, diesen Sport auszuüben. Das ist ein riesiges Problem“, sagte Koller.

Liga zeigt Rapid und Spieler an

Um gegen Diskriminierung vorzugehen, haben ÖFB und Bundesliga schon vor Jahren die Ombudsstelle „Fußball für alle“ eingerichtet. Ombudsmann ist der homosexuelle Fußballer Oliver Egger. „Ich werde so oft gefragt, warum outen sich nicht weitere Fußballer? Solche Videos sind die perfekte Antwort dafür. Weil der Fußball noch immer keine Atmosphäre geschaffen hat, wo sich alle willkommen fühlen“, meinte Egger.

Die Bundesliga hat ihrerseits Anzeige gegen den Club sowie die im Video beteiligten Personen beim Senat 1 der Liga (Straf- und Beglaubigungsausschuss) eingebracht. Rapid hat eine Woche Zeit, dazu Stellung zu beziehen. Laut Liga sind Spieler- bzw. Funktionssperren denkbar, dem Club droht im schlechtesten Fall ein Punkteabzug.