Die österreichische Tischtennisspielerin Yuan Liu.
GEPA/Michael Meindl
Hintergrund

So international ist das ÖOC-Aufgebot

Im 75-köpfigen österreichischen Team für die Olympischen Spiele in Tokio gibt es viel Migrationshintergrund. Manche Aktive sind schon „Ewigkeiten“ für Rot-Weiß-Rot im Einsatz, manche nicht so lange. Jeder hat aber seine persönliche Geschichte, und gemeinsam ist ihnen allen, dass sie in Japan für ihr neues Heimatland mit Stolz, Eifer und Überzeugung um Medaillen bzw. ein gutes Abschneiden kämpfen.

Ihren ersten Auftritt im Zeichen der fünf Ringe hat Liu Yuan. Die 35-Jährige musste die im Tischtennis langen Sperrzeiten für Einsätze für die neue Nation abwarten, ist nun aber voll Eifer. „Es ist ein Wahnsinn, ein so gutes Gefühl, dass ich bei Olympischen Spielen dabei bin“, sagte die gebürtige Chinesin. Seit bereits 15 Jahren lebt sie in Österreich, folgte somit ihrer Ex- und nun auch aktuellen Landsfrau Liu Jia, der Wegbereiterin für den Tischtennis-Aufschwung in Österreich.

„Am Anfang habe ich in Italien, Holland und Deutschland gespielt“, erzählte Liu Yuan. „Dann habe ich meinen Mann kennengelernt. Er ist ein chinesischer Trainer, war aber schon in Österreich. Wegen ihm hauptsächlich bin ich hergekommen.“ Mit fünf Jahren habe sie in China angefangen, mit ihrem Vater Tischtennis zu spielen. „Er hat mir diese Chance gegeben.“ In China hatte sie in einem Profiteam gespielt, in Europa folglich in nationalen Ligen.

Mit dem aus Ungarn stammenden Robert Gardos und Sofia Polcanova kommen zwei weitere Tischtennis-Asse aus anderen Ländern. Polcanova ist aus Moldawien, seit 2008 in Österreich und seit 2010 Staatsbürgerin. Bei einer Schüler-EM 2005 habe ein Bekannter Günter Renner von Linz AG Froschberg angesprochen. „Dieses Mädchen hat Talent, aber keine Möglichkeit, ihr Potenzial auszuschöpfen“, erinnerte sich Polcanova an die damaligen Worte. Bald folgte die Übersiedlung nach Linz.

Gewichtheber Martirosjan musste viel alleine stemmen

Ebenfalls 2005 kam Sargis Martirosjan von Armenien nach Österreich. „Ich habe mit dem armenischen Verband gestritten, konnte nicht für Armenien international starten“, erzählte der Gewichtheber. „Daher wollte ich für eine andere Nation starten. Ich habe Österreich ausgesucht, weil das ist auch so ein kleines schönes Land wie Armenien.“ Damals sei Österreichs Nationaltrainer Armenier gewesen. „Das habe ich aber nicht gewusst.“

Der österreichische Gewichtheber Sargis Martirosjan.
GEPA/Christian Walgram
Sargis Martirosjan war schon bei den Olympischen Spielen vor fünf Jahren in Rio de Janeiro für Österreich am Start

Am Anfang habe er aber ohnehin keine Trainingsmöglichkeit gehabt, sei über Traiskirchen nach Traisen gekommen. Von dort ging es später täglich mit dem Bus 80 km zum Training nach Brunn/Gebirge und wieder zurück. „Es war schwierig. Ich war alleine da, keine Familie. Ich musste alles alleine machen.“ Mit der Zeit sei aber alles besser geworden. „Der Verein hat meine Leistungen gesehen, in Mödling wurde eine Wohnung für mich gefunden“, so Martirosjan.

2014 folgte die Einbürgerung, beim zweiten Wettkampf danach die Qualifikation für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. „In kurzer Zeit zwei Olympische Spiele, vier internationale Medaillen – unglaublich, das ist kein schlechtes Ergebnis“, sagte der 35-Jährige nicht ohne Stolz. Seine Verbindung zu Armenien nutzte ihm im Vorjahr während des ersten Coronavirus-Lockdowns. „Als in Österreich alles zu war, habe ich dort trainiert. Als dort alles zu war, bin ich zurück, da war in Österreich wieder Training möglich.“

Trainerin lotste Alexandri-Drillinge nach Österreich

Die Synchronschwimmerinnen Eirini-Marina und Anna-Maria Alexandri waren mit Drillingsschwester Vasiliki 2012 aus Griechenland gekommen, um ihr sportliches Glück zu suchen. Ausschlaggebend war ihre aktuelle Trainerin Albena Mladenowa, die vor ihrem Österreich-Engagement zehn Jahre in Griechenland tätig gewesen war. Die gebürtige Bulgarin überzeugte ihre Mutter, dass die Kombination im Leistungszentrum Südstadt von Schule und Training optimal sei. 2014 wurde das Trio eingebürgert.

Die österreichischen Kunstschwimmerinnen Anna Maria und Eirini Alexandri.
GEPA/Philipp Brem
Eirini-Marina und Anna-Maria Alexandri kamen gemeinsam mit Drillingsschwester Vasiliki im Alter von 15 Jahren nach Österreich

Seine Heimat Äthiopien verließ Marathonläufer Lemawork Ketema im Frühjahr 2013 auf der Suche nach einem sicheren Leben. Nach seiner Ankunft in Traiskirchen wartete er als Flüchtling in Greifenstein an der Donau auf den positiven Asylbescheid. Die Familie von Judoka Shamil Borchashvili kommt aus Tschetschenien, er lebt seit seiner Kindheit in Österreich – ebenso wie die ihre Wurzeln in der Slowakei habende Magdalena Krssakova.