Leichtathletik

Weißhaidinger wirft zu historischer Medaille

Lukas Weißhaidinger hat am Samstag in Tokio ein historisches Edelmetall erobert. Der Diskuswerfer gewann Bronze und damit die erste Olympiamedaille eines österreichischen Leichtathleten überhaupt. Für die ersten sieben Medaillen in der olympischen Kernsportart hatten durchwegs Frauen gesorgt. Für das ÖOC-Team war es bereits der fünfte Podestplatz bei den Spielen in Japan.

Weißhaidinger warf die zwei Kilogramm schwere Scheibe im Olympiastadion auf 67,07 Meter und musste sich damit nur den Schweden Daniel Stahl (68,90) und Simon Pettersson (67,39) geschlagen geben. Nur fünf Zentimeter hinter dem Oberösterreicher wurde der Australier Matthew Denny Vierter. Für den 29-Jährigen, der 2016 in Rio de Janeiro bereits Olympiasechster war, war es die bereits dritte Bronzemedaille in Folge bei großen Titelkämpfen nach der EM 2018 in Berlin und der WM 2019 in Doha.

Die ÖOC-Bilanz in Japan erhielt mit Medaille Nummer fünf einen weiteren Aufputz. Zuvor hatte Radfahrerin Anna Kiesenhofer sensationell Gold im Straßenrennen geholt. Dazu gab es Silber im Judo durch Michaela Polleres sowie Bronze für deren Teamkollegen Shamil Borchashvili und Ruderin Magdalena Lobnig.

„Es war ein langer Weg“

Weißhaidinger rang danach im ORF-Interview um Worte: „Schön, dass ein langer Weg jetzt zu Ende ist. Ich habe heute an die Anfänge zurückgedacht, es war ein langer Weg. Ich habe einen tollen Trainer, ein tolles Team, das mich immer wieder in Form bringt. Danke an meine großartige Familie daheim, die das immer mitmacht. Ich freue mich, dass ich schon bald nach Hause fliegen und dort feiern kann.“

Weißhaidinger von Bronze überwältigt

Nach dem Finale ringt Lukas Weißhaidinger nach Worten. Von seinen Gefühlen überwältigt, spricht er über den Medaillengewinn.

„Nach dem vierten Wurf hätte ich nicht mehr zurückschlagen können, meine Füße waren schon ganz weich. Ich jammere sicher nicht der Silbermedaille nach. Ich kann gar nicht sagen, was mir durch den Kopf gegangen ist. Ich musste nachfragen, ob ich jetzt wirklich Dritter bin.“

Dritter Wurf bringt schließlich Bronze

Weißhaidinger, der am Freitag nach zwei ungültigen Versuchen erst im dritten und letzten Wurf die Qualifikation geschafft hatte, eröffnete das Finale der Top Zwölf mit einem eher verhaltenen Wurf auf 62,92 Meter und lag damit nach dem ersten Durchgang auf Rang vier. Eine Steigerung auf 65,65 Meter brachte ihm den Vorstoß auf Platz zwei hinter Weltmeister Stahl, der im zweiten Versuch seine Goldweite warf. Im dritten Durchgang zementierte er den zweiten Rang mit 67,07 Metern vorerst.

Der Goldwurf von Stahl

Der zweite Versuch von Daniel Stahl reichte dem schwedischen Favoriten zum Olympiasieg.

Während Weißhaidinger nicht mehr zulegen konnte und nach einem vierten Versuch auf 66,86 Meter zwei ungültige Würfe zeigte, zog Pettersson im fünften Durchgang vorbei. Um die Medaille zittern musste er noch beim letzten Wurf von Denny, der aber mit 67,02 hauchdünn das Podest verfehlte.

Es ist die achte Medaille für Österreichs Leichtathletik bei Olympischen Spielen, die erste eines Mannes. Das einzige Gold gewann bisher Speerwerferin Herma Bauma 1948 in London. Das bis dato letzte Edelmetall war 2000 in Sydney mit Silber auf das Konto von 800-m-Läuferin Stephanie Graf gegangen.

Österreichs Leichtathletik-Olympiamedaillen

Gold:
1948 London Herma Bauma Speerwurf
Silber:
1968 Mexiko-Stadt Liese Prokop Fünfkampf
2000 Sydney Stephanie Graf 800 m
Bronze:
1948 London Ine Schäffer Kugelstoßen
1968 Mexiko-Stadt Eva Janko Speerwurf
1972 München Ilona Gusenbauer Hochsprung
1996 Atlanta Theresia Kiesl 1.500 m
2021 Tokio Lukas Weißhaidinger Diskuswurf

Topform und Nervenstärke

Weißhaidinger hatte seine aktuelle Topform schon Anfang Juni in Eisenstadt bewiesen, als er den von ihm gehaltenen österreichischen Rekord auf 69,04 m steigerte. In der Qualifikation in Tokio bewies der sechsfache „Leichtathlet des Jahres in Österreich“ Nervenstärke, indem er erst im dritten und letzten Versuch einen gültigen Wurf (64,77) landete. In der Entscheidung litt er aber mehr, wie er selbst feststellte. „Wer sagt, die Quali ist nervenaufreibend, hat vom Finale keine Ahnung.“

Riskante Vorbereitung zahlt sich aus

Mit seinem Trainer Gregor Högler hatte sich Weißhaidinger dazu entschieden, die Sommerspiele als Kurzausflug in Angriff zu nehmen, sie landeten erst am Mittwoch in Tokio. Ein Teil der Konkurrenz hatte ein längeres Camp zur Anpassung absolviert, die Österreicher stellten sich zumindest zeitlich bereits daheim um. „Mir ist klar, dass es ein Risiko ist und ich die Verantwortung übernehme. Man wird dann sehen, wer recht hat“, hatte Högler gemeint.

Weiters hatte man das spezielle Krafttraining vorgezogen und sich danach darauf konzentriert, das Timing zu finden. Wie sich zeigte, ist der Plan aufgegangen. „Es war ein langer Weg, aber ich habe einen tollen Trainer, der mich wirklich super in Form gebracht hat. Ich bin besonders stolz darauf, dass sich der Gregor und ich das alles alleine erarbeitet haben“, sagte Weißhaidinger, der auch seiner Familie und seiner Freundin für die Unterstützung dankte.

Nun freut er sich, bereits am Montag wieder nach Hause zu fliegen und daheim zu feiern. Aufgrund der CoV-Ansteckungsgefahr hatte er sich in den vergangenen Monaten quasi isolieren müssen. „Es war eine sehr einsame Zeit am Schluss, aber es hat sich zum Glück ausgezahlt.“

Olympiafinale in Tokio

Diskuswurf:
1. Daniel Stahl SWE 68,90
2. Simon Pettersson SWE 67,39
3. Lukas Weißhaidinger AUT 67,07
4. Matthew Denny AUS 67,02
5. Kristjan Ceh SLO 66,37
6. Andrius Gudzius LTU 64,11
7. Mauricio Ortega COL 64,08
8. Sam Mattis USA 63,88