Lewis Hamilton (Mercedes)
AP/Vincent Thian
Formel 1

Hamilton in Singapur eine Klasse für sich

Weltmeister Lewis Hamilton hat beim Grand Prix von Singapur am Sonntag einen Start-Ziel-Sieg gefeiert und damit eine mögliche Vorentscheidung in der WM geschafft.

Der britische Mercedes-Pilot setzte sich am Sonntag im 15. von 21 Saisonrennen vor Red-Bull-Pilot Max Verstappen (NED) und Sebastian Vettel (GER) im Ferrari durch. Mit seinem siebenten Saisonsieg und dem insgesamt 69. seiner Karriere baute Hamilton seine WM-Führung auf Vettel auf komfortable 40 Punkte aus. „Was für ein Wochenende“, jubelte der Sieger und lobte später seinen Mercedes-Rennstall überschwänglich. „Wir haben als Team einen super Job gemacht.“

Jubel von Lewis Hamilton (Mercedes)
APA/AFP/Roslan Rahman
Hamilton lässt seinem Jubel nach dem siebenten Saisonsieg freien Lauf

„Alles ist super gelaufen“

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war im ORF-Interview hochzufrieden. „Heute ist alles super gelaufen, wir haben die Pace kontrolliert. Es freut mich ganz besonders, dass wir in Singapur – wo wir schon so gelitten haben – ein Auto hatten, das schnell war.“ Weil auch Valtteri Bottas (Mercedes) als Vierter vor Kimi Räikkönen (Ferrari) ankam, baute Mercedes die Führung in der Teamwertung auf 37 Punkte aus.

Das nächste Rennen findet in zwei Wochen in Sotschi in Russland statt, danach folgen noch fünf weitere. Von einer WM-Vorentscheidung zugunsten von Hamilton wollte im Mercedes-Lager noch niemand sprechen. „Wir haben jetzt noch sechsmal 25 Punkte zu vergeben. Wir haben in Österreich gesehen, wie schnell es gehen kann, und plötzlich stehst du mit null Punkten da“, sagte Wolff. „Wir müssen weiter pushen.“

Turbulente Anfangsphase

Turbulent war es beim Nachtrennen in Singapur nur zu Beginn wegen eines Crashs zugegangen. Diesmal allerdings ohne Vettels Beteiligung, der im vergangenen Jahr nach dem Start mit seinem Teamkollegen Räikkönen und Verstappen kollidiert war. Alle drei schieden damals aus. Diesmal krachten die beiden Force-India-Wagen von Sergio Perez und Esteban Ocon in Kurve drei ineinander.

Der Franzose Ocon donnerte in die Leitplanke, sein Grand Prix war vorzeitig beendet. Damit kam auch in der elften Auflage des Rennens das Safety Car auf den von mehr als 1.600 Lichtprojektoren erleuchteten Kurs und bremste das Feld gleich einmal ein.

Ferrari verliert Reifenpoker

Davor hatte Vettel einen starken Start erwischt, war gegen Verstappen im Positionskampf bis zur ersten Kurve aber noch nicht volles Risiko gegangen. Auf der ersten Geraden, noch kurz bevor das Safety Car auf die Strecke fuhr, zog der „Scuderia“-Star an dem Niederländer vorbei und konnte sich für seine Jagd auf den Führenden Hamilton in Position bringen.

Im Reifenpoker ergriff dann Ferrari um den vierfachen Weltmeister aus Deutschland die Initiative. In der 15. Runde erhielt Vettels Auto Ultrasoftgummis, er reihte sich als Siebenter hinter Perez ein. Eine Runde später kam Hamilton in die Box. Die Mercedes-Crew setzte aber auf die härtere Mischung, die Softpneus, um bei ihm ohne weiteren Stopp durchzukommen. Und der Brite raste als Fünfter vor Perez und Vettel auf die Strecke.

Verstappen ließ sich an seinem Red Bull in der 18. Runde wie auch Hamilton die Softs aufziehen – und kehrte sogar noch vor Vettel auf die Strecke zurück. „Die Reifen halten nicht bis zum Ende, wir waren wieder zu spät“, kritisierte Vettel, der vor zwei Wochen in Monza nur Vierter geworden war, die Ferrari-Entscheidung. Sein Kommandostand verzockte sich.

Hamilton übernimmt Kommando

Bei fast 70 Prozent Luftfeuchtigkeit übernahm Hamilton in der 28. Runde wieder die Führung, nachdem Verstappens Stallrivale Daniel Ricciardo als letzter Toppilot an die Box gekommen war. Die Führung des 33-Jährigen auf den Dritten Vettel lag da bei fast neun Sekunden.

Hamilton steckte später beim Überholen im Verkehr fest, Verstappen und Vettel konnten wieder näherkommen. Der Brite befreite sich jedoch rechtzeitig aus dem Asphalt-Dickicht und musste sich fortan auf sein Reifenmanagement konzentrieren. Eine Attacke von Vettel musste Hamilton auch nicht mehr fürchten. Die Reifen am Ferrari bauten zu sehr ab, während der Brite glücklich über die Ziellinie fuhr.

Endstand nach 61 Runden (= 308,828 km):
1. Lewis Hamilton GBR Mercedes 1:51:11,611
2. Max Verstappen NED Red Bull + 8,961
3. Sebastian Vettel GER Ferrari 39,945
4. Valtteri Bottas FIN Mercedes 51,930
5. Kimi Räikkönen FIN Ferrari 53,001
6. Daniel Ricciardo AUS Red Bull 53,982
7. Fernando Alonso ESP McLaren 1:43,001
8. Carlos Sainz ESP Renault 1 Runde
9. Charles Leclerc MON Sauber 1 Runde
10. Nico Hülkenberg GER Renaut 1 Runde
11. Marcus Ericsson SWE Sauber 1 Runde
12. Stoffel Vandoorne BEL McLaren 1 Runde
13. Romain Grosjean FRA Haas 1 Runde
14. Pierre Gasly FRA Toro Rosso 1 Runde
15. Lance Stroll CAN Williams 1 Runde
16. Sergio Perez MEX Racing Point 1 Runde
17. Brendon Hartley NZL Toro Rosso 1 Runde
18. Kevin Magnussen DEN Haas 2 Runden
19. Sergej Sirotkin RUS Williams 2 Runden

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