Nordirlands Angstgegner Will Grigg
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Nations League

ÖFB-Angstgegner mit Kultfaktor

Wenn Nordirlands Fußballer im Rahmen der UEFA Nations League am Freitag (20.45 Uhr, live in ORF eins) im Wiener Ernst-Happel-Stadion auflaufen, dann hat Österreich nicht unbedingt einen Lieblingsgegner zu Gast. Denn die Bilanz gegen die Nordiren rund um Kultstürmer Will Grigg ist aus rot-weiß-roter Sicht klar negativ.

Der zweite Auftritt der Mannschaft von Teamchef Franco Foda in der neuen Nations League ist das insgesamt zehnte Aufeinandertreffen mit Nordirland. In den neun Partien davor konnte Österreich nur zwei gewinnen: 1982 im Rahmen der EM-Qualifikation und 2005 im bisher letzten Duell in der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland. Beide Spiele endeten 2:0.

Ansonsten endeten die Partien mit teilweise bitteren Niederlagen für die Österreicher. In Erinnerung bleibt vor allem das 3:5 in der EM-Qualifikation für die Endrunde 1996 in Belfast, als die Österreicher an der Kombination Nordirland, Sturm und Regen zerbrachen. Auch das 3:3 in Belfast von 2004 wird gerne aus dem Archiv ausgegraben. Speziell das Interview des damaligen Teamchefs Hans Krankl nach der hart umkämpften Partie – Stichwort „irreregulär“.

„Schöne Erinnerungen“ für Coach O’Neill

Nordirlands aktueller Teamchef, Michael O’Neill, hat hingegen durchwegs positive Erinnerungen an Österreich. In Wien wurde er am 12. Oktober 1994 beim 2:1-Sieg der Nordiren in der EM-Qualifikation gegen Österreich in der 56. Minute eingewechselt. Beim erwähnten 5:3-Erfolg 13 Monate später erzielte er sogar zwei Tore. „Das sind schöne Erinnerungen. Wir haben es fast immer geschafft, gute Ergebnisse gegen Österreich zu holen“, sagte O’Neill.

Michael O’Neill
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Nordirland-Teamchef Michael O’Neill will die Weiterentwicklung seines Teams gegen Österreich bestätigen

Vor dem Duell am Freitag zeigte O’Neill vor allem großen Respekt vor Marko Arnautovic. „Er ist eine große Gefahr für jeden Gegner, hat das gewisse Etwas, kann Spiele entscheiden und ist mit seiner Schnelligkeit und Technik ein exzellenter Spieler. Ihn unter Kontrolle zu halten wird eine schwierige Aufgabe“, sagte O’Neill. Aber auch die übrigen ÖFB-Spieler verfügen über hohe Qualität. „Wir müssen uns auf die ganze österreichische Mannschaft konzentrieren.“ Den Ausfall von David Alaba bezeichnete der 49-Jährige als „Bonus“ für Nordirland.

Größte Erfolge in den Achtzigern

International machte Nordirland vor allem in den 1980er Jahren von sich reden, als man sich 1982 und 1986 jeweils für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Es waren die Auftritte zwei und drei bei einer WM-Endrunde. Die Premiere gab es 1958 in Schweden. Damals schaffte es Nordirland bis ins Viertelfinale. 1982 war in der Zwischenrunde, vier Jahre später in der Vorrunde Schluss.

Vor zwei Jahren qualifizierten sich die Nordiren so wie Österreich erstmals sportlich für eine Europameisterschaft. Anders als die ÖFB-Auswahl, die sich nach der Gruppenphase verabschiedete, schaffte es Nordirland ins Achtelfinale. Dort zog man allerdings im britischen „Bruderduell“ mit Wales mit 0:1 den Kürzeren. Gareth McAuley entschied mit einem Eigentor die Partie.

Der Kult um Will Grigg

Bei der EM in Frankreich erlebte auch Stürmer Will Grigg einen ungewollten Popularitätsschub, ohne auch nur eine Minute gespielt zu haben. „Will Grigg’s on fire“ war damals der Sommerhit in Frankreichs Stadien und Fanmeilen. Den Ursprung hatte das Lied in Wigan unweit von Manchester. Grigg hatte gerade den Wigan Athletic FC mit 25 Toren in die zweithöchste englische Liga geschossen, was „Latics“-Fan Sean Kennedy dazu inspirierte, die Disconummer „Freed from desire“ der italienischen Sängerin Gala zu einer Liebeserklärung an den Stürmer umzutexten. Das Resultat wurde via YouTube zum Kult.

Für Grigg selbst wurde die Fanbekundung mehr Fluch als Segen. „Der Song ist großartig, und unsere Fans sind es auch. Aber ich lasse mir von ihnen nicht vorschreiben, wen ich aufstelle, und Will ist eben als Stürmer nur unsere vierte Wahl“, sagte Nordirlands Teamchef Michael O’Neill einst bei der EM, wo er Grigg in allen vier Spielen auf der Bank schmoren ließ. „Es war für mich bei der EM und danach definitiv ein Hindernis. Vielleicht musste der Trainer ein bisschen zu viele Fragen über das Lied beantworten“, sagte Grigg kürzlich in einem Interview mit der Zeitung „Guardian“.

Song hilft karitativer Stiftung

Durch den Hype um „Will Grigg’s on fire“ rückte der Fußballer Grigg bei der EM in den Hintergrund. „Ich hatte einen Medientermin nach dem anderen, was auch okay war, aber ich wollte einfach nur spielen, und das ist nicht passiert. Bei der EM zu sein war ein Höhepunkt, aber gleichzeitig auch ein Tiefpunkt meiner Karriere. Nicht eingesetzt zu werden, war niederschmetternd.“

Daher sieht Grigg seinen Song mit gemischten, aber nicht ausschließlich negativen Gefühlen. „Er ist ja wegen meiner guten Form entstanden, und es war großartig, meinen Namen im Stadion zu hören.“ Außerdem wies der 27-Jährige auf den karitativen Aspekt hin: Die vom House-Duo Blonde im Mai veröffentlichte Version von „Will Grigg’s on fire“ schoss in den iTunes-Charts in die Top Ten, die Einnahmen daraus kommen dem Kampf gegen eine seltene genetische Erkrankung zugute.

Bis heute fließt Geld in diese Stiftung, da sich das Lied nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Auch im Happel-Stadion könnte es ertönen, und auch dort könnte Grigg von der Ersatzbank aus zuhören müssen. Sein Stammplatz gegen Österreich ist alles andere als fix. Immerhin gelang dem zwölffachen Teamspieler (zwei Tore) der Ehrentreffer beim 1:2 zum Nations-League-Auftakt gegen Bosnien-Herzegowina. Und im Februar war Grigg gegen Manchester City „on fire“: sein Tor zum 1:0-Sieg von Wigan besiegelte das Aus des englischen Meisters in der fünften FA-Cup-Runde.

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