Razzia in Belgien
APA/AFP/James Arthur Gekiere
Chronik

Belgiens Fußball versinkt im Chaos

Der massive Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche – so lauten die Vorwürfe der Bundesstaatsanwaltschaft gegen namhafte Gesichter der Branche. 29 Personen hat die Polizei festgenommen, wie die Ermittler am Donnerstag in Brüssel mitteilten.

Die Staatsanwaltschaft äußerte zudem den Verdacht, dass zwei Erstligapartien der Saison 2017/2018 manipuliert worden seien. Es habe sich um Manipulationen im Abstiegskampf zugunsten des FC Mechelen gehandelt.

Unter den Festgenommenen befanden sich den Angaben zufolge Spielerberater, Schiedsrichter und andere Verantwortliche. Wie viele der Verdächtigen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind, war am Donnerstagnachmittag zunächst unklar. Gegen fünf Menschen wurde Anklage erhoben. In vier Fällen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Korruption.

Betrugsskandal im belgischen Fußball

Der Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche: So lauten die Vorwürfe der Bundesstaatsanwaltschaft gegen namhafte Gesichter der Branche.

Festnahmen bei Großrazzia

Schlüsselfiguren der mutmaßlichen Affäre sind laut Medien unter anderem die Spielerberater Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Beide waren bei einer spektakulären Großrazzia am Mittwoch festgenommen worden.

Auch Ivan Leko, Coach des belgischen Meisters FC Brügge, musste die Nacht auf Donnerstag in Haft verbringen. Der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck soll der Nachrichtenagentur Belga zufolge hingegen wieder auf freiem Fuß sein.

Ivan Leko
APA/AFP/Nicolas Maeterlinck
Brügge-Trainer Ivan Leko war im Zuge der Großrazzia vorübergehend festgenommen worden

Am Tag nach den aufsehenerregenden Durchsuchungen von 44 Gebäuden in Belgien waren noch viele Fragen offen. So blieb zunächst unklar, ob der Skandal auch ausländische Ligen betrifft. Im Zuge der Ermittlungen waren auch 13 Gebäude in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro und Mazedonien durchsucht worden.

„Katastrophe für den Sport“

Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany kommentierte die Vorfälle mit drastischen Worten. „Die Verbindung zu Praktiken im Menschenhandel, Drogenhandel oder der Prostitution – wo eine Menge Geld zirkuliert – ist sehr eng“, sagte er im Gespräch mit dem Sender VTM über die Fußballbranche.

Auch belgische Medien zeigten sich entsetzt über das Ausmaß der Vorwürfe. Als eine „Katastrophe für den Sport“ bezeichnete etwa die Tageszeitung „Het Nieuswblad“ die Vorgänge. Die Tageszeitung „Le Soir“ nannte die Polizeiaktion „beispiellos“ und zitierte einen Insider mit den Worten: „Im belgischen Fußball gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel.“

Sorge um Ruf des Nationalteams

Nach dem begeisternden Auftritt der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland schwinge das Pendel nun besonders heftig zurück, hieß es. Die „Roten Teufel“ um Eden Hazard und Kevin De Bruyne hatten mit begeisterndem Offensivfußball Platz drei belegt. Am Freitag empfängt das Team in der Nations League die Schweiz.

Hazard betonte vor dem Spiel den guten Ruf der Nationalelf. „Ich denke, dass wir seit einigen Jahren ein gutes Image mit der Nationalmannschaft haben.“ Zu den laufenden Ermittlungen wollte er sich jedoch nicht konkret äußern. Auch Belgiens Nationaltrainer Roberto Martenez sagte, er wolle zunächst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Ermittlungen alleine seien noch nicht schädlich – die Ergebnisse aber möglicherweise schon.

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