Am Ende wurde Verstappen beim kürzesten und wohl skurrilsten Rennen der F1-Geschichte vor George Russell (Williams) und Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) zum Sieger erklärt – das Ergebnis des Qualifyings vom Vortag. In der WM-Wertung verkürzte der Niederländer seinen Rückstand auf Hamilton nach zwölf von 22 geplanten Saisonrennen um fünf Zähler auf drei Punkte. Eine vergleichbare Miniversion eines Grand Prix hatte es 1991 in Adelaide gegeben, als ebenfalls wegen Regens nach 14 Runden Schluss war.
Verstappen gelang damit sein sechster Saisonsieg, ohne eine einzige schnelle Rennrunde zu drehen. „Es ist natürlich schade, dass wir hier kein richtiges Rennen gefahren sind. Um 15.00 Uhr hätten wir eine bessere Chance gehabt. Allerdings hat es nie aufgehört zu regnen. Es ist zwar ein Sieg, aber so will man ihn eigentlich nicht. Ein Kompliment muss ich den Fans machen. Sie haben lange ausgehalten. Das sind die großen Gewinner von heute“, sagte Verstappen.
Regenfarce in Spa an Verstappen
Starker Regen wurde beim Grand Prix von Belgien zum Spielverderber. Zwar gab es mit Max Verstappen einen Sieger in Spa-Francorchamps, nach stundenlanger Warterei reichten dem Niederländer dafür aber zwei Runden.
Unaufhörlicher Regen sorgt für Konfusion
Der erste Startversuch erfolgte aufgrund der Verhältnisse statt um 15.00 Uhr erst mit halbstündiger Verspätung, musste aber abgebrochen werden. Wie schwierig die Bedingungen waren, zeigte der Zwischenfall mit Sergio Perez. Der 31-jährige Mexikaner kam bereits bei der Fahrt zur Startaufstellung von der Strecke ab und demolierte die Radaufhängung an seinem Auto. Die Red-Bull-Mechaniker hatten aber genug Zeit, den Schaden zu beheben.

Der Regen fiel nämlich unaufhörlich weiter. Die Zeit verstrich, an einen Start war nicht zu denken. Die Rennleitung setzte die Regel, wonach eine Veranstaltung drei Stunden nach dem ursprünglich angesetzten Rennstart beendet sein muss, wegen höherer Gewalt aus. Die Uhr wurde bei einer Stunde angehalten, womit im besten Fall zumindest die Chance auf ein Einstundenrennen gewahrt wurde.
Für die Piloten ging es für fast drei Stunden zurück an die Box. Anhaltender Regen und lediglich 13 Grad Celsius stellten Teams wie Zuschauer vor Herausforderungen. Die Boxencrews vertrieben sich die Zeit mit Teetrinken und Kartenspielen, die Streckenposten mit Boccia ins Kiesbett. Unterdessen versuchten die Organisatoren die Strecke sogar mit dem Kehrwagen fahrtauglich zu machen.
Zwei Bummelrunden in neun Minuten
Um 18.17 Uhr brach bei den 75.000 ausharrenden Fans Jubel aus, da die Jury noch einmal einen Startversuch wagte. Nur neun Minuten oder zwei Bummelrunden – eine Einführungsrunde und eine gewertete Runde – später wurden aber erneut Rote Flaggen geschwenkt. Verstappen und Kollegen wurden wieder in die Boxenstraße beordert und blieben endgültig dort.
Der Niederländer feierte somit seinen 16. Grand-Prix-Erfolg auf kuriose Art und Weise. Halbe Punkte gab es zum sechsten Mal in der F1-Geschichte trotzdem, da der Niederländer als Führender mehr als zwei Runden, aber weniger als 75 Prozent der Renndistanz absolvierte. Eine Verschiebung auf Montag kam nicht wirklich infrage, da bereits am kommenden Sonntag im niederländischen Zandvoort der nächste Grand Prix angesetzt ist und der Tross weiterziehen muss.

„Das hätten wir uns sparen können“
In der WM-Wertung schob sich Verstappen wieder ein Stück näher an Hamilton heran. Ein Umstand, der Mercedes-Teamchef Toto Wolff etwas sauer aufstieß. „Die halben Punkte sind ärgerlich, aber so ist das Reglement“, sagte der Wiener im ORF. „Das Prozedere hinter dem Safety-Car hätten wir uns eigentlich sparen können.“
Wirklich fahrbar war die Strecke nämlich auch aus Sicht von Hamilton den ganzen Tag über nicht gewesen. „Man sieht keine fünf Meter aus dem Auto nach vorne. Man hat nicht einmal mehr die Rücklichter gesehen“, schilderte der siebenfache Weltmeister. „Es waren nicht die Bedingungen, dass man hier ein Rennen hätte starten können. Die Leute da draußen tun mir echt leid. Sie waren unglaublich.“
Auch Russell bedauerte nach dem ersten Podestplatz seiner F1-Karriere die Fans, die so lange an der Strecke ausgeharrt hatten, freute sich aber über Platz zwei. „Man wird nicht oft für ein Qualifying belohnt“, sagte der Brite. Mehr Action schien aber zu gefährlich – insbesondere durch Passagen wie Eau Rouge, die schon im Trockenen zu den gefährlichsten im Rennkalender zählen. „Wenn du da im Blindflug unterwegs bist, gibt es da oben vielleicht noch ein Ping-Pong, und am Ende tut sich noch jemand weh“, so Wolff.