Juergen Melzer
GEPA/Christian Walgram
Davis-Cup

Jürgen Melzer freut sich auf Jubiläum

Seit 1999 spielt Jürgen Melzer für Österreich Davis-Cup und er war seither jedes Jahr zumindest einmal im Einsatz. Der ÖTV-Rekordspieler feiert am Samstag in Graz im Doppel an der Seite von Oliver Marach im Weltgruppen-Play-off gegen Australien ein bemerkenswertes Jubiläum, wird es doch sein 75. Einsatz in seinem 35. Länderkampf.

Hinzu kommt, dass Melzer, dem dieser Bewerb am Herzen liegt, nun beim letzten Davis-Cup in Österreich, der noch auf drei Gewinnsätze gespielt wird, dabei ist. „Ich freue mich natürlich extrem, dass ich in dem Modus noch einmal spielen kann. Vor allem gegen eine Nation, die das mindestens genauso lebt wie ich zumindest“, meinte Melzer im Gespräch mit der APA. „Ich glaube, dass es echt ein Event wird, auf den man schön zurückblicken kann: Das wird jetzt der Abschluss unter dem alten System mit cooler Stimmung, einem lässigen Gegner und hoffentlich auch mit einem Sieg.“

Juergen Melzer, 1999
GEPA/Ingrid Gerencser
1999 gab Jürgen Melzer gegen Schweden als 18-Jähriger sein Davis-Cup-Debüt

Natürlich weiß auch der 37-jährige Niederösterreicher, dass nach der komplizierten Modusänderung in der Umstellungsphase sogar eine Niederlage zum Aufstieg in die Weltgruppe reichen könnte: „Die Rechnung haben wir schon am Anfang aufgestellt. Man denkt trotzdem nicht dran: Wer spielt zu Hause vor 6.000 Leuten und will nicht gewinnen?“ Zudem gebe es ein „Worst case“-Szenario ohne Aufstieg. „Also sollten wir alles daransetzen, dass wir im nächsten Jahr diese Chance kriegen.“

Marach muss sich umstellen

Melzer hat sich in diesen Tagen bereits mit Marach auf das wichtige Doppel vorbereitet. „Ich habe mit Olli versucht, dass wir uns so gut wie möglich aufeinander abstimmen. Olli muss auf die Einstandseite wechseln“, erklärte Linkshänder Melzer, der selbst viel lieber auf der linken Seite spielt. „Wir fangen mal so an, sonst ändern wir das während des Spiels.“

Die Bedingungen auf der Messe Graz, wo auch Österreichs Nummer eins, Dominic Thiem, am Mittwoch sein erstes Training absolvierte, beschreibt Melzer als sehr gut. „Es verspringt sich nichts. Für einen Platz, der dort erst reingelegt worden ist, ist er sehr eben.“ Die Bedingungen sind sehr schnell, durchaus möglich, dass da mit Sand noch eine gewisse Verlangsamung bereitet wird.

Das Duell mit Australien sieht Melzer als sehr enge Partie. „Dominic ist logisch schon Favorit in seinen Einzeln, aber die darf man nicht unterschätzen. John Millman und Alex de Minaur stehen beide in den ersten 40, und im zweiten Einzel sind wir sicher Außenseiter. Da kann es dann schon aufs Doppel ankommen. Ganz eng, ich tippe auf ein 3:2 für uns.“

Davis-Cup-Rücktritt ausgeschlossen

Die Zahl 75 ist freilich etwas Besonderes für den rot-weiß-roten Rekord-Davis-Cupper. „Ja, das taugt mir schon. Ob noch welche dazukommen werden, wird die Zukunft zeigen. Schauen wir mal.“ Einen Rücktritt aus dem ÖTV-Team wird es von ihm allerdings nicht geben. „Das würde ich nie machen, weil was ist, wenn Not am Mann ist? Dann werde ich immer spielen.“

Seinen Abschied wird Melzer hingegen beim Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle dank einer Wildcard im Einzel geben, da er eine entsprechende Ranking-Verbesserung zur Fortsetzung seiner Single-Karriere 2019 nicht mehr erreichen wird. Er wird zwar mit seinem Bruder Gerald Melzer zu zwei Challengern (Monterrey/MEX, Santo Domingo/DOM) nach Übersee fliegen und eben auch noch Wien spielen, aber an das Wunder, sich von Einzel-Platz 546 noch nach vor zu katapultieren, glaubt er nun nicht mehr.

Umstieg auf Doppel oder Abschied

„Nein, Wien ist der Abschied vom Einzel. Ich werde in Zentralamerika spielen, aber in meinem Kopf ist es so, dass ich das abgeschlossen habe.“ Den einen oder anderen Einzel-Einsatz sowie Bundesliga wird es aber schon noch geben. Zudem steht noch an, ob seine Profikarriere überhaupt noch weitergeht. „Sollte ich im Doppel weiterspielen, was ich am Ende des Jahres entscheiden werde, dann werde ich mich als Doppel-Spieler vorbereiten.“

Doppel spielt er kommende Woche in Metz mit Marach, dann die angesprochenen Challenger mit Bruder Gerald, und er hofft auch auf eine Wildcard mit Philipp Oswald in Wien. Die diesbezügliche Ausgangslage für eine Fortsetzung seiner Karriere als Doppel-Spezialist: „Wenn ich mich noch auf 80 runterspiele, kann ich gleich auf der Tour einsteigen, das wäre super. Bis 120 muss man ein paar Challenger spielen.“ Aktuell liegt Melzer in der Weltrangliste auf Platz 175. „Wenn ich da bleibe, glaube ich nicht, dass ich mir das antue.“

Highlight im Flughafen-Hangar

In all den 74 bisherigen Davis-Cup-Matches ist es für Melzer schwierig, einen Höhepunkt herauszuholen. „Das ist schwer, aber im Hangar gegen Gilles Simon wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Das war von der Location und der Stimmung her lässig, und es war ein Fünfsatzkrimi.“ Österreich verlor 2011 im Flughafen-Hangar 3 in Schwechat gegen Frankreich mit 2:3.

Tennisplatz am Flughafen Wien-Schwechat, Hangar 3
GEPA/Matthias Hauer
An den Länderkampf gegen Frankreich 2011 im Schwechater Flughafen-Hangar kann sich Melzer noch gut erinnern

Nicht zu vergessen ist freilich auch der jüngste Davis-Cup-Länderkampf im April 2018 in Moskau, wo Melzer im Doppel und Einzel zwei der drei Zähler zum überraschenden Erfolg über Russland beigetragen hat.

Den „Commitment Award“ des Internationalen Tennisverbandes (ITF) hat Melzer bereits bekommen, im Zuge des Davis-Cups in Graz werden gleich drei ehemalige ÖTV-Stars geehrt: Thomas Muster erhält seinen Award am Samstag, schon am Freitag werden Judith Floimair (ehemals Wiesner) und Barbara Schett-Eagle für ihre Fed-Cup-Einsätze geehrt.

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